- 29.07.10:
- Oetinger audio mit zwei Titeln auf der hr2-Hörbuchbestenliste
- 25.06.10:
- Hochzeits-Fotobücher neu auf framily.de
- 22.06.10:
- 500. "Pippi Langstrumpf"-Schrank ausgeliefert
- 17.06.10:
- Sieger des Vorlesewettbewerbs las aus Barry Jonsberg: Ein knochenharter Job
- 16.06.10:
- Buxtehuder Bulle 2010 für Suzanne Collins
Martina Dierks
1. Mit welcher Ihrer Figuren haben Sie am meisten gemeinsam?
In fast allen Figuren meiner Bücher steckt irgendetwas von mir. Bei Lila von den Fabelhaften Vier ist es zum Beispiel ihre Leidenschaft für das Zeichnen und der kleine Bruder - ich hatte allerdings zwei!! Ebenso wie Maike war ich auch oft unzufrieden mit mir, fand mich zu brav und wollte es immer allen Recht machen. Aber ich habe auch Züge von Fabi, bin sehr impulsiv und temperamentvoll.
In Jo erkenne ich mich am wenigsten wieder. Vielleicht finde ich sie deshalb so interessant.
Man könnte sagen, dass mein Schreiben auch immer von Menschen handelt, denen ich einmal begegnet bin, manche kenne ich gut, andere lerne ich erst beim Schreiben richtig kennen.
2. Wie gut kennen Sie Ihre Figuren? Wissen Sie zum Beispiel, wann sie Geburtstag haben oder was sie am liebsten essen?
Bei manchen Figuren weiß ich natürlich genau, wann sie Geburtstag haben. Entweder ist der Geburtstag der handelnden Person Teil einer Geschichte, oder es ist einfach deshalb wichtig, weil zum Beispiel ihr Sternzeichen eine Rolle spielt – wobei ich nicht wirklich, sondern nur ein ganz kleines bisschen daran glaube. Ich denke eher, dass der Geburtsmonat entscheidend ist. Ich bin zum Beispiel ein Frühlingskind und meine Tochter kam im Winter zur Welt. Das Licht ist im Frühling anders als im Winter und bestimmt hat das Auswirkungen auf das Wesen eines Menschen.
Manchmal ist es für mich gar nicht so wichtig, den Geburtstag einer Figur genau zu kennen, sondern mich interessiert viel mehr, wie sie denkt und fühlt. Wie würde sie sich in einer bestimmten Situation verhalten, wäre sie mutig, wäre sie ängstlich oder sogar feige.
Das Lieblingsessen meiner Figuren finde ich allerdings immer sehr wichtig, da ich selbst sehr gern koche und ebenso gern über das Essen schreibe.
3. Erinnern Sie sich noch an das erste Buch, das Sie gelesen haben?
Ich erinnere mich nicht genau an mein wirklich aller erstes Buch. Mir sind aber zwei im Gedächtnis geblieben, die ich mit neun oder zehn Jahren gelesen und nie vergessen habe.
Das eine hatte den Titel Ich heiße Paprika und handelte von einem Zigeunermädchen – heute sagen wir Sinti oder Roma – das mit ihrer Familie in einem Dorf landet, wo es jede Menge Vorurteile gegen sie gibt. Das andere Buch hatte den Titel Ich spucke gegen den Wind.
Dieses Buch habe ich auch als Erwachsene noch einmal gelesen und fand es immer noch toll.
Es ist die Geschichte eines Mädchens, das schon als Baby vom alleinstehenden Vater auf sein Schiff gebracht wird und dort siebzehn Jahre unter Matrosen lebt.
Ich erinnere mich noch, wie ich das Mädchen um dieses Leben beneidet habe, obwohl ich heute weiß, dass es ganz schön hart war – aber es war abenteuerlich!
4. Waren Sie gut in Deutsch?
In Deutsch war ich nicht dauerhaft ‚gut’. Immer nur dann, wenn mich etwas interessiert hat.
Am Liebsten habe ich Aufsätze mit freier Themenwahl geschrieben, da konnte ich meiner Fantasie freien Lauf lassen und mich so richtig schön ausschreiben. Bei anderen Aufsätzen habe ich oft das Thema verfehlt – meist deshalb, weil ich es zu trocken oder zu langweilig fand und es – sehr zum Ärger meiner Lehrer – einfach ein bisschen aufpeppen wollte.
Ich erinnere mich an ein Deutsch-Projekt mit einer damals noch sehr jungen Lehrerin.
Wir sollten eine Werbekampagne starten, einen Text und Bilder dazu entwickeln.
Da ich auch sehr gern zeichne und schon Geschichten schreibe, seit ich schreiben kann, habe ich mich mit großer Leidenschaft auf dieses Projekt gestürzt. Ich entwarf ein Werbeplakat für ein Parfum mit dem Namen Solitude – das ist französisch und heißt Einsamkeit oder Abgeschiedenheit – und bekam eine 1 dafür.
Die einzige 1 in Deutsch, die ich je in meiner Schulzeit bekommen habe.
5. Was würde Maike von den "Fabelhaften Vier" machen, wenn sie Bundeskanzlerin wäre?
Wenn Maike von den ‚Fabelhaften Vier’ Bundeskanzlerin wäre, würde sie vermutlich versuchen, es allen Recht zu machen, was vielleicht sogar möglich ist. Nur hat es noch keiner bewiesen oder nicht einmal richtig versucht.
Ich denke, Maike hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, den leider wenige Politiker haben. Außerdem ist Maike sehr mitfühlend und würde dafür sorgen wollen, dass es keine Armut – vor allen Dingen keine armen Kinder – mehr gibt.
Und wer weiß – vielleicht schlägt Maike ja sogar einmal diese Richtung ein. Wenn sie nicht Bundeskanzlerin wird, dann möglicherweise Lehrerin, Anwältin oder sie geht als Ärztin nach Afrika.
Ich würde ihr das jedenfalls zutrauen!
6. Würden Sie gerne einen Tag mit den "Fabelhaften Vier" verbringen? Was würden Sie zusammen unternehmen?
Wenn ich einen Tag mit den Fabelhaften Vier verbringen könnte, dann würde ich ihnen alle die Plätze meiner Kindheit zeigen. Denn ich bin im gleichen Berliner Kiez aufgewachsen wie sie.
Manche Schauplätze meiner Kindheit wie das alte Kino, in das die Vier auch immer gehen, gibt es noch. Dort hängen sogar noch die gleichen alten Lampen an den Wänden und es gibt die selben harten Holzsitze. Es werden nur andere Filme gespielt, die ich aber genauso spannend und aufregend wie die aus meiner Kindheit finde. Denn Kino ist einfach fabelhaft!
Auch ich hatte drei beste Freundinnen und auch wir waren so grundverschieden wie Maike, Fabi, Lila und Jo.
Eine davon ist bis heute meine beste Freundin geblieben – und das schon seit über vierzig Jahren. Ich weiß natürlich nicht, ob die Fabelhaften Vier einen Spaziergang durch meine Vergangenheit so spannend fänden. Aber als meine Tochter in dem Alter der vier Mädchen war, hat sie sich immer brennend für alte Geschichten interessiert und bei Lesungen kann ich das auch immer wieder erleben.
Wie wäre das überhaupt, wenn eine Autorin ihre Heldinnen und Helden wirklich treffen könnte? Vielleicht sollte ich ein irgendwann einmal Buch darüber schreiben ...
Martina Dierks
Berlin, 25.9.2008


