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Rusalka Reh
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch zum Thema Parkour zu schreiben?
Parkour sprang mich buchstäblich an, als ich auf einer Bank in einem Leipziger Park saß und plötzlich ein paar Jungs neben mir auftauchten. Sie sprangen gegen einen Baumstamm und hebelten sich über eine danebenliegende Mauer (inzwischen weiß ich, dass dieser Sprung „tic-tac“ heißt und dass die Weide mit der Mauer einer ihrer Trainingsspots ist). Ich war total beeindruckt von der Körperkraft und –kontrolle und erkundigte mich nach einer Weile, was sie da machten. Ob ich wisse, was Parkour sei, fragten sie mich, aber das wusste ich nicht. Sie erzählten. Auf dem Nachhauseweg war ich plötzlich euphorisiert. Ich weiß noch, dass ich mich unterwegs auf eine Mauer am Fluss setzte und schon erste Notizen machte. Zuhause googelte ich „Parkour“, und meine Gewissheit wuchs, dass ich innerhalb dieses Milieus eine Geschichte entfalten könnte. Ich machte die Gruppe aus dem Park übers Netz ausfindig und fragte, ob ich beim Training dabei sein dürfe. Durfte ich:-). Alles war von Anfang an sehr schön im Fluss. Interessanterweise hatte ich monatelang gedacht, dass mein nächstes Buch an dieser Stelle im Park spielen wird. Sogar Fotos hatte ich dort schon gemacht. Aber meine Ideen liefen vorher in ganz andere Richtungen.
Wie gut kennen Sie Ihre Figuren? Wissen Sie zum Beispiel, wann sie Geburtstag haben oder was sie am liebsten essen?
Ich kenne Fragebögen, die diese Details der literarischen Charaktere vor Schreibbeginn abfragen. Aber es langweilt mich, schon alles über die Akteure meiner Bücher zu wissen, bevor ich überhaupt zu schreiben anfange. Manchmal erzählen mir die Figuren im Laufe des Schreibprozesses dann ihre Wahrheiten und Vorlieben. Dipper scheint demnach Pizza zu mögen, nachts Kaffee mit seiner Mutter (und Milch aus der Packung) zu trinken, dann wieder erfährt er von Kite, dass man Kakao mit Pfeffer mischen kann. Das wusste ich alles auch erst, als er das „erzählt“ hat ... Im Asphaltspringer habe ich die Figuren insgesamt eher psychologisch und teilweise noch politisch ausgerichtet. Darüber Bescheid zu wissen, halte ich für wichtig - Gewohnheiten und Vorlieben werden dann natürlicherweise daraus geboren.
Sie schreiben nicht nur Kinderbücher, sondern sind auch Lyrikerin. Was bringt Ihnen mehr Spaß?
Nach dem Spaßfaktor habe ich mich beim Schreiben noch nie gefragt. Ich sprach eben schon mal von „Euphorie“, einem Zustand, der sehr hilft, sich über einen längeren Zeitraum einem Schreibthema zu widmen und die Arbeit konzentriert durchzuziehen. Was ich zum Thema Lyrik / Prosa sagen kann ist, dass zwischen diesen beiden Schreibarten Welten liegen. Auch der eigene Zustand muss dafür jeweils ein komplett anderer sein. Ein Gedicht zu schreiben ist wie ein Destillat von etwas herzustellen. Ein Gedicht ist ein Kleinod, etwas, dass du, wenn es fertig ist, tagelang umschleichen und wahrnehmen kannst wie eine Skulptur: Weil es „dicht“ ist, wesentlich, komprimiert. Prosa zu schreiben ist wie auf Reisen zu gehen, du „dehnst“ dich, breitest dich aus. An der Lyrik schätze ich, dass die Geschwätzigkeit wenig Platz hat und dass es auch um Anmut von Sprache geht. Manchmal versuche ich, beides mit in die Prosa zu transportieren. Auch, wenn Dipper im Asphaltspringer „schnoddert“, ist mir die Sprachform sehr wichtig. Sie ist immer auch Kunst.
Sie haben als Recherche für Asphaltspringer die Gruppe Parkour-Leipzig begleitet. Was haben Sie von ihnen gelernt?
Diese Parkour-Gruppe organisiert sich autark, ohne Halle, ohne Schnickschnack, was mir sehr sympathisch ist. Ich fand gut, dass klar war, zu welcher Zeit an welchem Ort man sich traf. Dafür brauchte keiner ein Handy, es war einfach abgemacht, irgendwer kam immer. Mir hat außerdem gefallen, stundenlang mit den Leuten draußen zu sein. Und draußen zu sein ist etwas anderes, als mit einem klaren Ziel unterwegs zu sein, wie wir das als Erwachsene ja meistens sind. Manchmal ist es gefährlich, manchmal schön, manchmal kalt. Da regnet und scheint und schneit die Welt auf dich. Draußen passiert einfach dauernd was, wenn du dich da wirklich aufhältst.
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