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Thomas Schmid
Mit welcher Ihrer Figuren haben Sie am meisten gemeinsam?
Mit Lilli, Bob, Very, Enya, Ole, Little, Mitch, Luisa, Stefan, Nadja, Nonna Paola, den Röhrichs und mit allen anderen, die ich jetzt nicht aufgezählt hab. Und Sneaker.
Aber da wir sie alle mit den Augen Lillis sehen, sind das natürlich auch meine Augen.
Wie gut kennen Sie Ihre Figuren? Wissen Sie zum Beispiel, wann sie Geburtstag haben oder was sie am liebsten essen?
So gut, dass ich wie sie reden, denken und fühlen kann. Aber ich kenne sie nicht so gut, dass sie mich nicht immer wieder mal überraschen könnten. Ich hatte zum Beispiel keine Ahnung davon, dass Very eine Cheerleaderin ist, bis sie plötzlich in ihrem Cheerleader-Dress vom Fahrrad springt. Auch dahinter, dass Gelatino heimlich in Giulia verliebt ist, bin ich nicht sofort gekommen. Von den meisten kenne ich den Geburtstag nicht, aber, wer weiß, vielleicht platzen wir ja mitten drin mal in eine Überraschungsparty.
Lilli isst gern Pistazieneis, das so grün ist, wie ihre Augen. Und Schinkennudeln, weil sie die zusammen mit ihrem Papa macht. Und manchmal trinkt sie sogar einen Schluck bitteren Kaffee aus der Thermosflasche von Nadja.
Die Wilden Küken kamen schon in Cornelia Funkes Wilden Hühnern vor, wo sie den größeren Mädchen mächtig auf die Nerven gingen. Wie kam es, dass die Wilden Küken zu einer eigenen Reihe wurden?
Da muss ich jetzt ein bisschen ausholen. Dass ich zu den Wilden Küken kam, liegt daran, dass ich nicht nur Jugendbücher schreibe, sondern auch Drehbuchautor bin. Die Filmproduzentin der Wilde-Hühner-Filme hatte zwei Kinofilme fertig und wollte noch einen dritten machen. Aber sie hatte zwei Probleme. Erstens drängte die Zeit. Die Schauspieler durften ja nicht zu alt für ihre Rollen werden. Und zweitens hatte sie den Stoff der fünf Bücher von Cornelia Funke schon in den ersten beiden Filmen erzählt. Wollte sie also die Filmreihe abschließen und einen dritten Teil drehen, brauchte sie eine neue Hühnergeschichte. Cornelia Funke beschäftigte sich zu der Zeit mit ganz anderen Themen und Büchern, war aber damit einverstanden, dass ich zusammen mit der Filmproduzentin und der Regisseurin eine Geschichte entwickeln sollte und das Drehbuch schreiben. Das hab ich dann gemacht. Als dann der Film gedreht wurde, wollte der Verlag natürlich auch das Buch dazu. Also habe ich den sechsten Band der Wilde-Hühner-Reihe geschrieben. Und damit ganz klar ist, wessen Hühner das sind, haben wir das Buch „Cornelia Funkes Die Wilden Hühner und das Leben“ genannt! Weil Film und Buch dann sehr erfolgreich waren, wollte der Verlag die Reihe fortsetzen. Aber die Wilden Hühner werden im sechsten Band ja schon erwachsen. Deshalb kamen wir auf die Idee, einfach die jüngeren Wilden Küken zu nehmen und diese Nebenfiguren zu Hauptfiguren zu machen und zu den Heldinnen einer neuen Reihe. Puuh … so war das.
Würden Sie gern einen Tag mit den Wilden Küken verbringen und was würden Sie mit ihnen unternehmen?
Ich würde nichts mit ihnen unternehmen, sondern sie nur begleiten. Ich würde also mit Lilli losradeln, natürlich wäre Sneaker im Fahrradanhänger. Wir drehen eine Ehrenrunde um den Stadtbrunnen und legen dann einen Zwischenstopp in der Gelateria Cantarella ein. Dort treffen wir natürlich auf Bob, Very und Enya. Welche Eissorte Lilli und ich essen, ist ja klar. Dann radeln wir raus zur Weiherwiese. Und da liegt das schwimmende Bandenquartier vor Anker. Die Mystery. Ich liege an Deck und schaue in die Wolken. Die Hühner in der Kükenkajüte gackern leise, das Schiff knarzt, der Weiher gluckst. Und ich höre das Lachen der Wilden Küken und der Grottenolm-Bande, die sich auf der Wiese gegenseitig mit Wasserpistolen nass spritzen. Es ist Sommer und ich weiß, wie wichtig Freundschaft ist.
Sie sind Autor von Kinder- und Jugendbüchern, schreiben aber auch Drehbücher. Welche dieser Tätigkeiten macht Ihnen am meisten Spaß?
Beide. Beim Drehbuchschreiben redet man viel. Mit Dramaturgen, Regisseuren, Produzenten, Redakteuren … was, wenn es die richtigen Leute sind, sehr schön ist. Beim Bücherschreiben ist man mehr allein, was auch sehr schön ist.
Wird es auch einen Wilde-Küken-Film geben?
Was ich als Autor für eine Verfilmung tun kann, das tue ich. Und sollte es klappen, freue ich mich jetzt schon aufs Drehbuchschreiben und die richtigen Leute im Team!
Waren Sie als Kind auch in einer Bande?
Als ich in der dritten Klasse war, gab es zwei Banden. Ich war Mitglied in der einen. Beider Banden einziges Ziel war es, sich hinters Schulhaus zu verziehen und sich gegenseitig zu vermöbeln. Als es einen ausgeschlagenen Zahn gab, erkannte ich endlich, dass das alles nichts mit Freundschaft zu tun hatte und dass ich gar nicht in einer Bande war, sondern in einem Schlägertrupp. Also bin ich ausgestiegen. Der Zahn war zum Glück nicht meiner.
Welches Buch haben Sie als Kind gern gelesen?
Bevor ich lesen konnte, war mein Lieblingsbuch ‚Kasimirs Weltreise‘ von Marlene Reidel. Das geht so los: „Der Kasimir am Fenster steht und wartet, bis der Mond aufgeht …“ Mein allererstes Buch, das ich ganz allein gelesen hab, war ‚Titti im Urwald‘ von Maria Lobe. Und dann kamen die Bücher von Karl May und Jules Verne.
Neu: Die Wilden Küken - Es spukt!


