Verlagsgruppe Oetinger

Bundesverdienstkreuz für Heidi Oetinger
29.Mai 2009

Verlegerin Heidi Oetinger wird mit dem Bundesverdienstkreuz für ihr Lebenswerk geehrt

 Am heutigen Freitag übergab Prof. Dr. Karin von Welck, Senatorin für Kultur, Sport und Medien, das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland als Erstauszeichnung an Heidi Oetinger in Würdigung ihres Lebenswerks. Die Verleihung fand im kleinen Kreis im Turmsaal des Hamburger Rathauses statt.

Senatorin Prof. Dr. Karin von Welck in ihrer Laudatio:
„Ihr Verlag und Sie selbst, verehrte Frau Oetinger, haben sich große Ver-dienste um die literarische Bildung der Kinder und Jugendlichen erworben. Sie haben auf diese Weise geholfen, die Voraussetzungen für ein demokratisches und zivilisiertes Miteinander in diesem Land zu schaffen. Denn ohne kundiges Lesen, ohne die aktive und passive Beherrschung der wich-tigsten Kulturtechnik der Menschheit gibt es keinen Wohlstand und keinen Frieden.“

Die 100jährige Heidi Oetinger bedankte sich beim Bundespräsidenten, dem Hamburger Bürgermeister, der anwesenden Senatorin sowie allen, die daran beteiligt waren, für diese besondere Auszeichnung:
„Ich bin gerührt über die große Anerkennung, die mir in den vergangenen Jahren zuteil wurde. Am meisten aber freue ich mich darüber, dass auf diese Weise gewürdigt wird, was mir seit mehr als 60 Jahren am Herzen liegt: das Engagement für die Kinderliteratur in Deutschland und deutsch-sprachigen Ländern.“

Foto: Ute Karen Seggelke

BIOGRAPHIE HEIDI OETINGER

Heidi Oetinger, die Mitbegründerin des Verlages Friedrich Oetinger, feierte am 19. November 2008 ihren 100. Geburtstag. Gemeinsam mit Friedrich Oetinger baute sie den Verlag auf und entwickelte ihn zu einem der bedeutendsten und erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchverlage.

Geboren am 19. November 1908, war sie zunächst als Chefsekretärin in einer Anwaltskanzlei in Hamburg tätig bis sie zu Beginn des Krieges heira-tete und kurz nach der Geburt ihrer Tochter Silke verwitwete. 1948 be-gann sie in dem zwei Jahre zuvor gegründeten Kinder- und Jugendbuch-Verlag Friedrich Oetinger zu arbeiten. In der schwierigen Aufbauphase während der Zeit der Währungsreform wurde sie für den Verleger rasch zu einer wichtigen Stütze und Beraterin. Die gemeinsame Arbeit und die Ziele führten zur Freundschaft und 1952 zur Ehe zwischen Heidi und Friedrich Oetinger.

Über Jahrzehnte hat sich Heidi Oetinger voller Energie für die Bücher ein-gesetzt, von denen sie überzeugt war. „Pippi Langstrumpf“ beispielsweise hätte ohne ihr Engagement niemals diesen enormen Erfolg in Deutschland erlangt. Als das Buch der damals noch unbekannten Astrid Lindgren 1949 im Oetinger Verlag erschien, war es äußerst umstritten, doch Heidi Oetinger verhalf ihm mit Zähigkeit, Phantasie und Improvisierkunst zum all-mählichen Durchbruch.

Heidi Oetingers Leben sind der Verlag und die Beziehungen und Verbin-dungen, die sie während ihrer Arbeit für das gute Kinder- und Jugendbuch aufgebaut hat. Mit Astrid Lindgren, James Krüss und vielen anderen Autorinnen und Autoren verband die Verlegerin eine tiefe Freundschaft. Mitte der 80er Jahre zog sich Heidi Oetinger aus der aktiven Geschäftsleitung des Verlages zurück. Heute führen ihre Tochter Silke Weitendorf und die Enkel Jan und Till Weitendorf sowie die Enkelin Julia Bielenberg den Verlag als Familienunternehmen weiter. Noch bis vor zwei Jahren, 2006, fuhr Hei-di Oetinger jedes Jahr zur Frankfurter Buchmesse, war also auf 58 der 60 Buchmessen in Frankfurt vertreten. Zwar haben ihre körperlichen Kräfte inzwischen abgenommen, aber noch immer nimmt sie Anteil am Verlagsgeschehen. Bis heute ist sie Mitglied in zahlreichen Gesellschaften, Ver-bänden, Arbeitsgemeinschaften, Vereinen und Stiftungen rund um das Buch und das literarische Leben.

Heidi Oetinger wurde mit etlichen wichtigen Auszeichnungen geehrt: U. a. wurde sie 1988 vom schwedischen König für ihre Verdienste um die Förderung der schwedischen Literatur in der Bundesrepublik Deutschland zum Ritter der Ersten Klasse des Königlich Schwedischen Nordsternordens er-nannt. Und die Stadt Hamburg zeichnete sie in Anerkennung ihrer Ver-dienste mit der Senator Biermann-Ratjen-Medaille aus. Im Mai 2009 wurde ihr das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland in Würdigung ihres Lebenswerks verliehen.